Tagebuch Malmö / 8. und letzter Teil

Tagebuch Malmö / 8. und letzter Teil
 
Heute folgt der fünfte und damit letzte Newsletter direkt aus Malmö. Das Jury-Finale ging gestern über die Bühne, und das mit einigen Pannen, dazu aber später.
 
Das zweite Semifinale ist mittlerweile entschieden, und es gab einige Überraschungen. Die größte: Armenien. Unter lauten Buh-Rufen wurde die Qualifikation in der Halle aufgenommen, ähnlich wie bei Litauen im 2. Semifinale. Auch Ungarn und Rumänien sind eher Überraschungskandidaten, aber so ist nun mal die Eurovision, es wird immer schwieriger, den Ausgang einzuschätzen. Dass der gesamte Balkan nicht mehr im Finale vertreten ist, ist eine absolute Sensation und wem Österreich nun Punkte gibt, ist absolut fraglich, schieden doch Bosnien, Serbien, Türkei und ähnliche Länder heuer aus.
 
Insgesamt gibt es heuer eine Hauptfavoritin (Dänemark), das Rennen um Platz 2 ist aber so offen wie seit Jahren nicht, und tatsächlich tut man sich etwas schwer. Als weitere Topfavoriten werden nämlich gehandelt: Norwegen, Ukraine, Georgien, Aserbaidschan, Russland und Griechenland. Aber was ist heuer schon fix.
 
Ich möchte euch nochmals eine adaptierte Fassung aller Beiträge hiermit liefern – in der Reihenfolge des Auftritts. Bezüglich Intervall-Act und Intro erfahrt ihr mehr unten in dieser Mail.
 
FRANKREICH
Amandine Bourgeois ist sicherlich nicht zum Favoritenkreis zu zählen, noch dazu wurde ihr der 1. Startplatz gegeben. Die erste Minute steht sie still auf der Bühne, und auch das hektische “Rumgehample” gegen Ende des Liedes hilft auch nicht wirklich weiter. Außerdem ist sie wieder ein Fall von mit-den-Fingern-in- die-Steckdose gegriffen. Von Französinnen ist man definitiv anderes gewohnt. Sicherlich wird sie im Rennen um den letzten Platz eine gewichtige Rolle spielen. ABER einigen gefällt’s.
 
LITAUEN Wie bereits im Vorfeld angekündigt wird Andrius Pojavis nun doch von einem Chor begleitet. Andrius trägt ein schlichtes weißes T-Shirt mit Lederjacke, was zu ihm passt, aber auch die Schlichtheit der kompositorischen Leistung und seines Show- und Stimmtalents unterstreicht. Er arbeitet fleißig mit den Armen und greift förmlich in die Kamera, seine Augenbrauenmimik ist immer noch hypnotisierend ja fast angsterregend, aber weniger ausgeprägt als in der Vorentscheidung des baltischen Landes. Das Bühnenbild besteht aus verschiedenen geometrischen Anordnungen, bringt aber nur bedingt Schwung in die Szenerie. Tipp: man sollte sich auf die Augen des Sängers konzentrieren, und den Ton des Fernsehers auf stumm schalten. Auch er wird als letzter Platz gehandelt, vielleicht hilft im aber der Baltikum dabei, das Unglück abzuwenden.
 
MOLDAWIEN Aliona Moons überdimensional langes Kleid, welches sich selbst und die Interpretin erstaunlich erhöht, um mit tiefroten Projektionen einen nicht ganz neuen Effekt problemfrei darzustellen, wird sich ins Gedächtnis des Zuschauers einprägen, könnte aber vom musikalischen Hauptwerk enorm ablenken. Außerdem sind die Zeiten der Trickkleider wohl schon seit einigen Jahren vorbei und nur Marie N, die Siegerin 2002, konnte damit noch im Televoting-System die entscheidenden Punkte holen. Moldawien wird von den Buchmachern überwiegend im Mittelfeld gesehen, was aber tatsächlich weniger an der musikalischen Leistung liegen wird. Man hätte sich vom schwedischen Fernsehen mehr Dramaturgie bei der Zuteilung der Startplatzierungen, handelt es sich beiden ersten drei Nummern nicht um einen wirklichen ‘Burner’.
 
FINNLAND Im Hochzeitskleid – wie zu erwarten – tritt die überaus charmante und bildhübsche Blondine Krista Siegfrids auf die Bühne. Unterstützt wird sie dabei von ihren Brautjungfern, die auch klassisch mit Blumensträußen ausgestattet, der Braut huldigen. Im Laufe des Liedes wird Krista mit einem meterlangem Brautschleier gekrönt, der perfekt in die Performance eingebracht wird. Und nun zur Überraschung: dachte sich die Männerwelt, das Krista heiratswillig sei, werden diese bitter enttäuscht sein – der Schluss des Beitrages wird durch einen Kuss zwischen Krista und einer Frau besiegelt. Überhaupt kümmern sich die finnischen Teilnehmer nicht großartig um das Publikum, sondern brechen am Ende in lautes Jubelgeschrei aus, so wie man das eben von einer Junggesellinenparty erwartet. Es handelt sich hierbei nicht um einen angedeuteten Kuss, dieser Kuss macht selbst Madonna und Britney Spears Konkurrenz. Fazit: ein Song, der zu Toleranz mahnt. UND NOCH WAS: Es wird nicht der einzige gleichgeschlechtliche Kuss des Abends bleiben, so viel sei schon mal gesagt.
SPANIEN
Eine der belanglosesten Nummern des heurigen Jahres. Die Gruppe ESDM mit der überaus rassigen und hübschen Frontfrau kann heuer nicht mal einen Blumentopf gewinnen. Schade, aus Spanien würde man sich mehr erwarten, überhaupt auf Grund der Tatsache, dass die Spanier Grand-Prix-verrückt sind. Im vorteilhaften Kleid wird sie ebenfalls ganz hoch auf den letzten Platz gehandelt.
BELGIEN Es ist einfach zu tragisch: Roberto Bellarosa singt nicht nur von “Love Kills”, er hat tatsächlich zur Zeit ein gebrochenes Herz – das arme Kerlchen! Ein ausgesprochen heiterer Junge, der mit 18 Jahren in diesem Jahr der jüngste Teilnehmer ist. Der junge Roberto holt sich noch Begleitung auf die Bühne. Er wird die vollen drei Minuten lang von zwei jungen Damen umschwirrt, was ja bei so einer Show nicht ungewöhnlich ist. Nur dass er auf die Umgarnungen so überhaupt nicht reagiert, ist bei einem Lied über Liebe nicht ganz nachvollziehbar (vielleicht ist er sich seiner Orientierung noch nicht bewusst).
Für den belgischen Beitrag gilt Folgendes: Roberto hat den 100%igen ‘Welpenbonus’ in diesem Jahr und kommt mit seiner tollen Melodie und mittelmäßigen Gesangsleistung sehr sehr gut an.
 
ESTLAND Gänsehautfeeling pur, vor allem, wenn man sich vor Ort in der Halle befindet. Die Inszenierung des in estnisch gesungenen Beitrages erinnert an das Märchen “Schneewitchen”. Haare, so schwarz wie Ebenholz, blutrote Lippen und ein Kleid, dass an Unschuld und Volumen  kaum zu übertreffen ist und in dem man sich keine Sorgen um seine Figur zu machen braucht, zeichnet die Performance der estnischen Sängerin Birgit Öigemeel aus. Einer der schönsten Balladen des diesjährigen ESCs. We love it!!!
 
WEISSRUSSLAND Weißrusslands ‘Solayoh’ macht seinem Image eines konventionellen Sommerschlagers alle Ehre. Ganz der Tradition Weißrusslands und seines Regimes folgend wurde zwar eine Vorentscheidung ausgetragen, die auch tatsächlich von Alyona Lanskaya gewonnen wurde, ihr Beitrag “Rythm of Love” wurde kurzerhand und rechtzeitig vor der Frist der EBU aus dem Verkehr gezogen. So wird Weißrussland mit dem Latino-Dance-Titel vertreten sein. Eröffnet wird die Show damit, dass Alyona aus einer silbernen Kugel – an ein Weltraumobjekt erinnernd – entsteigt. Übrigens ist es der erste südafrikanischer Backgroundsänger, der den Beitrag aus Belarus stimmlich unterstützt. Er meint, dass die Eurovision auch in Südafrika immer mehr Fans gewinnt.
 
MALTA Gianluca, ein überaus charmanter, kleiner Malteser, vertritt den Inselstaat. Die Nummer an sich ist sicher hitparadentauglich, jedoch in seiner Aufmachung viel zu einfach, um gegen die anderen Liveacts anzukommen. Sommer, Sonne, Strand und Meer – genau das Feeling kommt auf, allerdings etwas seicht und unscheinbar, auch wenn man sich am Ende auf eine Bank plaziert und Heiterkeit ausstrahlen will. Gianluca, ein waschechter Doktor der Medizin, war sicherlich einer der Überraschungen des heurigen Jahres und ob sein Dauergrinsen ihm eine vordere Platzierung einbringt ist in Frage zu stellen.
 
RUSSLAND Russland greift mit seiner Sängerin Dina Garipova ganz tief in die Eurovisionskiste. Die Ballade, ganz im Grand Prix-Manier gehalten (Bridge, Halbtonschritt am Ende, usw. …), erinnert einige hier an die ebenfalls in Malmö siegreiche Komposition “Why me?” von Linda Martin aus dem Jahr 1992. Übrigens, wie zu erwarten, ist Linda Martin einer der Stargäste hier in Malmö. Einziger Nachteil, der Backgroundchor neigt etwas zur Übertreibung und übertönt Dina, deren russische Wurzeln aus rein optischer Sicht kaum zu verbergen sind (erinnert sie doch an eine noch schlanke “Babuschka”, die man ins Galagewand gesteckt hat), am Ende des Liedes. Wie bei so vielen Interpretinnen aus dem Osten, hat sie null Tau vom Englischen und weder Ahnung über die Dramaturgie ihres Liedes, noch warum sie hier in Malmö überhaupt auf der Bühne steht.
 
DEUTSCHLAND
Deutschland befindet sich im sehr sehr erweiterten Favoritenkreis und ist international sehr gut angekommen. Die Kostümwahl der Frontsängerin Natalie Horler ist viel, viel besser als die total missglückte Wahl im Vorentscheid, als sie sich in eine zu enge Korsage “presste”. Auch wenn man das Lied nicht mag, es muss neidlos anerkannt werden, dass die Deutschen wieder gute Arbeit abliefern. Es ist nur zu hoffen, dass Natalie nicht wirklich von der Showtreppe fällt, sie scheint auf ihren High Heels nicht ganz sicher zu stehen und braucht etwas Nachhilfe. Tipp: Platz 10 bis 15.
ARMENIEN Dorians, der Vertreter Armeniens zählt nicht zu den beliebtesten Vertretern innerhalb seines Landes. Schon als er bestimmt wurde, die armenische Flagge zu vertreten, kam es zu leichten Unruhen. Als dann noch die überaus langweilige Softpopnummer “Lonely Planet” gewählt wurde, hatte er endgültig alle Sympathien im eigenen Land verloren. Und auch in Malmö lauft diese Lied unter “ferner liefen”…. Showfaktor gleich Null… damit ist Armenien DIE Sensation im Finale, niemand hatte damit gerechnet.
 
NIEDERLANDE Die in Holland seit Jahren erfolgreiche Sängerin Anouk hat es endlich geschafft. Sie dieses Jahr mit ihrer schwermütigen, ja fast depressiven Nummer die Hoffnung der Niederlande, endlich ins Finale einzuziehen. Das letzte mal gelang es den Niederlanden 2004, sich für das Finale zu qualifizieren. Dies tat aber der Pro-Eurovisionsstimmung in diesem Land in all den Jahren keinen Abbruch. Anouk verlässt sich auf ihre einzigartige Komposition und auf ihr unverwechselbares Timbre und setzt nicht auf billige Effekthascherei. Die Nummer ist einer der schwierigst einzuschätzenden Beiträge des Song Contests in Malmö. Alles ist möglich, aber nix ist fix… Das sie nur von einem Backgroundchor dezent unterstützt wird, trägt zum absolut gelungenem Auftritt bei. Für viele eine der interessantesten Nummern des Jahres. Topplatzierung möglich!
 
RUMÄNIEN Rumänien, das Land weiß einfach, wie man aus Nichts etwas machen kann. ‘It´s my life’ von Cezar wurde im Vorfeld mehr belächelt, als ernst genommen und tatsächlich ist der klassisch ausgebildete Countertenor aus Rumänien sicherlich etwas Fehl am Platz. Jedoch: kaum ein Beitrag wird derart toll in Szene gesetzt. Insgesamt macht der Vortrag seinem Land alle Ehre, erinnert er doch sehr an den berühmt berüchtigten Dracula aus Transylvanien. Seht selbst, ihr werdet wissen, was gemeint ist. Mit Hebebühne, schwarzen Paillettenanzug, blutrot-eingefärbten Tänzern und roten Seidentüchern wird Rumänien sicherlich nicht – wie im Vorfeld prognostiziert – am Ende des Klassements liegen.
 
ENGLAND
Bonnie Tyler, sicher einer der arriviertesten KünstlerInnen des heurigen Jahrgangs (“It s a heartache”), besticht durch Bühnenpräsenz und sie ist – noch immer – sehr gut bei Stimme. … und Bonnie verlässt sich auch darauf, Bühnenshow gibt es fast keine. Der englische Beitrag wird von vielen als sehr unterschiedlich bewertet. Manche glauben an ein Spitzenresultat, manche sind überzeugt, dass es ein böses Ende nehmen könnte (siehe Engelbert letztes Jahr). Wir werden sehen. Nur eines gleich vorweg: Bonnie, mit all ihrer Erfahrung als wahres ‘Zirkuspferd’, lieferte die nervöseste Performance des Abends ab. Vor allem die erste halbe Minute war sie absolut nicht stimmsicher. Das hat sehr verwundert.
SCHWEDEN
Schweden ist nicht im engsten Favoritenkreis zu finden, ABER es wäre durchaus denkbar hier eine positive Überraschung zu erleben. Ähnlich wie die Frontfrau Cascadas scheint auch Robin Stjernberg seit dem Melodifestivalen abgenommen zu haben. In weißen Anzügen und mit perfekter stimmlicher Leistung (die Nummer ist extrem schwer zu singen) sind die Schweden wieder mit einer würdigen Nachfolgenummer vertreten. Man kann gespannt sein, wo man am Ende landen wird.
 
UNGARN Wie schön, dass Ungarn wieder mit dabei ist. Ungarn unterbietet den Showgehalt des armenischen Beitrages zwar um Längen. In grauer Mütze steht Bye Alex auf der Bühne und gibt sein “Gäldwäsche” (oder ist es “Bättwäsche”) zum Besten. Eines ist aber zu sagen – und das unterscheidet ihn von den Armeniern – die Nummer ist bei vielen sehr sehr beliebt. Niemand weiß warum, aber die Nummer hat etwas….  Wir hoffen, dass sie nicht Letzte werden.
 
DÄNEMARK
Emmelie de Forest, diesen Namen wird man sich wohl merken müssen. Nicht nur, dass Dänemark von Beginn an die Buchmacher-Hitlisten anführte, die Nachbarn Schwedens haben sich wirklich ins Zeug gelegt. Die in Orange und Gold gehaltene Bühne, eine Sängerin, die in ihrem schlichten weißen und vor allem kurzen Kleid an die Unschuld eines Kindes erinnert, stimmlich eine leichte Kopie der Vorjahressiegerin Loreen abliefert, von Trommlern und Flötisten unterstützt und am Ende von “Goldglitterregen” und Pyrotechnik genial in Szene gesetzt, scheint auf Sieg programmiert zu sein. Was auffällt ist, dass in Eurovisionskreisen vor allem das Intro des Flötisten nach mehrmaligen Hören des dänischen Beitrages für genervte Stimmung sorgt. Dies wird aber dem erfolgreichen Abschneiden Dänemarks nicht schaden. Originellerweise wurden bei der dänischen Pressekonferenz Emmelie de Forest-Flöten verteilt, die sogleich von den anwesenden Journalisten verwendet wurden und ebenfalls für leichten Unmut sorgten. Noch nie hat man schrägere Töne im Pressecenter gehört. Fazit: man sollte nicht mit der Flöte spielen, wenn man´s nicht kann und Dänemark wird wohl die Eurovision gewinnen.

ISLAND

Der blonde Hühne aus Island ist für viele ESC-Fans unter den persönlichen Favoriten. Die schöne Ballade, ganz in isländisch gesungen, ist in seiner Performance ebenfalls sehr reduziert gehalten. In schlichtem, aber passenden Blau wird Eypör Ingi in Szene gesetzt. Es ist sehr interessant, dass gleich alle nordischen Länder im ESC-Finale vertreten sind. Eine der schönsten Balladen.

ASERBAIDSCHAN

Farid Mammadov hat sich in den engeren Favoritenkreis gesungen. Sicherlich ist das nicht auf seinen Beitrag und schon gar nicht auf seine stimmlichen Leistungen zurückzuführen. Aserbaidschan zeigt uns, wie man aus einer mittelprächtigen Nummer einen Mitfavoriten machen kann. Farid steht auf einer Glasbox – in dieser befindet sich sein Spiegelbild in Form eines Tänzers, ja man könnte fast sagen eines Akrobaten, der exakt die gegensätzliche Seite eines Spiegelbildes erzeugt. Insgesamt mutet der Beitrag homoerotisch an, denn kaum ein Beitrag enthielt jemals eine ähnlich intensive Annäherung zwischen zwei Männern auf der Eurovisionsbühne. Der Head of Delegation meinte auf die Frage, warum man homoerotische Elemente in die Choreographie eingebaut hat, dass dieses Lied für alle sei – und zwar wird die Liebesromanze der beiden Männer durch eine Tänzerin im roten, meterlangen Schleppkleid unterbrochen und mündet in einen “Dreier”…. Es wird nicht die einzige gleichgeschlechtliche Handlung des abends zwischen zwei Männern bleiben.

 
GRIECHENLAND “Alcohol is free”, das ist die Devise der griechischen Gruppe Koza Mostra mit Agathonas Iakovidis… Und damit sprechen sie uns aus der Seele. Nicht außer Acht lassen, sollte man die Tatsache, dass es sich bei den Musikern, auch wenn sie nicht live auf der Eurovisionsbühne musizieren dürfen, um professionelle Künstler handelt, die es verstehen, mit ihren Instrumenten die Hallen zu füllen. Die Nummer strahlt nur so von Dynamik und Optimismus, im Falle Griechenlands wohl Zweckoptimismus. Anfangs als Mitfavorit auf den Sieg gesetzt, wird die Gruppe wohl unter den Top 10 im Endklassement des Song Contests landen.
UKRAINE Gleich eines vorweg: die Ukraine ist schon wieder unter den Favoriten auf den Gesamtsieg. Zlata Ognevich ist wahrscheinlich die stimmgewaltigste weibliche Teilnehmerin der heurigen Eurovision. Fraglich bleibt aber der Auftritt eines in Amerika lebenden 2,40m-Riesen mit ukrainischen Wurzeln, der die zierliche Zlata am Beginn auf Händen auf die Bühne trägt und sie auf einen zentral stehenden Felsen absetzt. Das ist es aber auch schon, der Riese tritt schweren Schrittes von der Bühne ab und überlässt der Stimmkünstlerin die Bühne. Insgesamt erinnert das Schauspiel am Anfang an ein Kuriositätenkabinett und von vielen wird das Kalkül des ukrainischen Fernsehens, damit möglichst viel internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, kritisch gesehen. Aber es war eine der bestbesuchtesten Pressekonferenzen im heurigen Jahr. Ukraine wird für heute für Platz 2 gehandelt. Fazit: King Kong lässt grüßen….
 
ITALIEN
Eine Eros Ramazotti-Nummer par excellence. Marco Mengoni, sicher einer der attraktivsten Sänger des Jahres, drückt mit seiner Herzschmerzballade “L´essenziale”, dem San Remo Sieger 2013 kräftig auf die Tränendrüse und singt sich in den erweiterten Favoritenkreis. Es ist nur zu hoffen, dass im Falle, dass er nicht gewinnt, Italien für die nächsten Jahre nicht wieder beleidigt aus der Eurovision aussteigt. Marco steht ganz allein auf der Bühne. Das hat man heuer nur noch beim zypriotischen Beitrag gesehen. Hut ab vor so viel Mut. Könnte ein Top Ten Platz werden.
NORWEGEN
Skandinavien ist heuer insgesamt wieder sehr stark. Alle Beiträge könnten es ins Finale schaffen und Norwegen wird aktuell auf Platz 3 der Sieganwärter für Samstag gelistet. Die Performance erinnert sehr stark an Margaret Bergers Performance im Melodi Grand Prix, keine Variation zur Vorentscheidung. Es gibt kaum Überraschungen, aber die Nummer ist sicherlich DIE zeitgemäßeste im Jahr 2013 und hat sicherlich Hitparadentauglichkeit. Insofern wird es sicherlich keine schlechte Platzierung für Norwegen geben, und man hat wieder ein professionelles Händchen bei der Auswahl des norwegischen Beitrages bewiesen.
 
GEORGIEN
Das charmanteste Duett liefert in diesem Jahr Nodi Tatishvili & Sophie Gelovani aus Georgien. Die für viele hochgehandelte Ballade wird stimmig, aber nicht unbedingt zwingend für den Sieg umgesetzt. Mit Nebel und Rauchsäulen wird Georgien als sicherer Kanditat für den Finaleinzug gehandelt. Die Tatsache, dass zwei attraktive Menschen den Beitrag bestreiten, ist diesem Unterfangen sicherlich dienlich.
IRLAND Nach 2 Jahren der “Jedward-Manie” voller Hysterie um die durchgeknallten irischen Zwillinge, die uns in Düsseldorf und Baku Tag und Nacht in Atem hielten, kehrte in diesem Jahr wieder ein wenig Ruhe und Normalität in Irlands Eurovisionsaktivitäten zurück. Das Bühnenbild erstrahlt abwechselnd in rot und blau. Den Beginn machen zwei Trommler auf der Nebenbühne, bevor man zur Hauptbühne wechselt. Dort stehen links 2 Chorsängerinnen, rechts steht die große Trommelanlage die fleißig ‘gehauen’ wird, und im Hintergrund tanzen die beiden anderen fernsehtauglichen und mystisch bemalten Oberkörper vom Anfang an. Ryan Dolan, der irische Vertreter, steht einfach in der Bühnenmitte und singt mit kräftiger Stimme und weitausladenden Armbewegungen. Pyrothechnik beendet das Ganze. Falls das Lied nicht gefällt, dann soll man eben Typen schauen.
 
 
INTRO
Und nun zum Intro der Show. Die Eurovision wird heute – ähnlich den olympischen Spielen – mit einem Einlauf der Nationen starten. Jeder Interpret wird zusammen mit einem Fahnenträger die Brücke zur Hauptbühne beschreiten. Das Ganze ist eine sehr ergreifende Angelegenheit und seit 1983 sind alle Interpreten der Eurovision wieder auf einer Bühne vorab vereint. Sehr schön und feierlich.
 
INTERVALL-ACT
Und nun zum Intervall-Act. Schweden zeigt im Musical-stil alle Stereotypen auf, die es zu bieten hat. So findet man schöne Blondinen, Pippi Langstrumpf, Rentiere, gleichgeschlechtliche Liebespaare, …  auf der Bühne wieder. Somit wäre auch der zweite gleichgeschlechtliche Kuss des Abends geklärt. Sowas geht in Baku halt nicht. Dieser Act wird ebenfalls – eine Parallele zu 1983 mit Marlene Charell – wird von der Moderatorin des Abends bestritten, die auch ihr gesangliches Talent unter Beweis stellt und die Homo-Ehe selbst vollzieht.
 
Und nun zu CAROLA, der Siegerin 1991. Ihr Auftritt ist genau 20 Sekunden lang, aber einer der tollsten des Abends. Der schwedische Sturmwind wird von ihr ganz bildlich genommen. Sie performed ihren Siegerbeitrag aus 1991 wird aber sprichwörtlich von der Bühne geblasen. Wir finden den Hang zur Selbstironie toll, und auch sie hat dabei recht viel Spass gehabt.
 
Loreen singt ein ein Lied aus ihrer neuen Produktion und beendet ihren Beitrag mit ‘Euphoria’. Nur hat sich folgender Vorfall ereignet: eigentlich hätte Loreen von ‘Spinnenmännern’ nach oben gezogen werden sollen, dieses missglückte aber, und sie erlitt einen Absturz aus eineinhalb Meter Höhe, aber es ist ihr nichts passiert. Vielleicht streicht man die Aktion einfach aus Sicherheit. Es sah wirklich gefährlich aus.
 
Des Weiteren wird gemunkelt, dass Teile der Gruppe ABBA heute live vor Ort sein werden, schauen wir mal. Es würde doch passen, wenn man ‘The winner takes it all’ hören könnte. Nicht?
 
Einen spannenden Abend wünschen wir aus Malmö und hier noch unser Tipp:
 
 
1. Dänemark
2. Ukraine
3. Aserbaidschan
4. Norwegen
5. Russland
6. Georgien
7. Griechenland
8. Finnland
9. Schweden
10. Niederlande
 
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Viel Spaß und liebe Grüße aus Malmö!
Mai 18, 2013 Posted by: